Täterarbeit und Gewaltprävention: Intersect Violence!

Klrsex-Blog, 6. November 2014
Gastbeitrag
Christian Scambor, Michael M. Kurzmann (Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark)

Täterarbeit als Beitrag zum Opferschutz

Die Arbeit mit den Täter_innen, die sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausüben, ist ein wichtiger Baustein in der Gewaltprävention. Die Unterstützung von Menschen, die von Gewalt betroffen sind, steht an erster Stelle – aber um zu verhindern, dass es zu neuerlichen Gewalthandlungen an denselben oder anderen Menschen kommt, muss auch mit denjenigen gearbeitet werden, von denen die Gewalt ausgeht. Das tun wir in unserer Einrichtung, indem wir mit Männern und männlichen Jugendlichen, die psychische, körperliche oder sexualisierte Gewalt ausüben, an der Veränderung ihres Verhaltens arbeiten. Aus unserer Perspektive auf die männlichen Täter sagen wir daher: Täterarbeit ist unser Beitrag zum Opferschutz – in Kooperation mit anderen Einrichtungen und Behörden, die mit dem Opferschutz betraut sind oder andere Funktionen erfüllen (z. B. Gerichte). Denn Täterarbeit braucht Vernetzung – das sehen wir als den wichtigsten Standard in unserer Arbeit an. In der Gewaltforschung heißt es dazu: „The system matters“, was bedeutet, dass alle Beteiligten (Behörden, Opferschutzeinrichtungen, Täterarbeit, Sozial- und Gesundheitswesen usw.) gut zusammenarbeiten müssen, um nachhaltige Veränderungen zu erzielen. Dazu braucht es die entsprechenden Ressourcen für alle Komponenten des Systems. Einsparungen oder ungenügende Finanzierung im Bereich des Opferschutzes oder der Täterarbeit untergraben die gemeinsamen Bemühungen in Richtung nachhaltiger Veränderung.

Intersektionale Gewaltprävention! [1]

Grenzverletzungen, Übergriffen und sexualisierter Gewalt muss frühzeitig vorgebeugt werden! Basiswissen über Sexualität, ein positiver Zugang zum eigenen Körper und den eigenen Emotionen stärken Kinder und Jugendliche darin, eigene und fremde Grenzen wahrzunehmen. Wenn wir über den Wert von Grenzen sprechen, wird eines deutlich: Prävention sexualisierter Gewalt darf nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern muss auch Erwachsene, also Erziehungsberechtigte, Lehrer_innen sowie Gesellschaft mit einbeziehen. Wie sollen Kinder und Jugendliche ihre Grenzen als etwas wert empfinden, wenn ihnen allzu oft gesellschaftlich vermittelt wird: Du bist nichts wert! Diese Form von Gewalt kann viele Gesichter haben: Nicht im gleichen Maße Zugang zu Bildung oder Unterstützung zu haben (strukturelle Gewalt), Rassismus, Sexismus, Homophobie, soziale Ausgrenzung etc. Die einzelnen Lebensgeschichten von Kindern und Jugendlichen sind Schnittstellen gesellschaftlicher Teilungen und Hierarchien, die wiederum viele betreffen: Reden wir auch hier Klartext! Messen wir den Erzählungen und Biografien der Jugendlichen Wert bei. Beleuchten wir damit gesellschaftliche Hierarchien und machen soziale Ein- und Ausschlussprozesse zum Thema – z. B. in der Schule oder Schulklasse. Sprechen wir über diese Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen!

[1] Intersektionale Ansätze in der Bildungs- und Sozialarbeit berücksichtigen beides: Gesellschaftliche Verhältnisse wie auch individuelle Handlungsstrategien

Über die Autoren: Mag. Dr. Christian Scambor und Mag.(FH) Michael M. Kurzmann leiten die Bereiche Gewaltarbeit und Burschenarbeit im Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark: http://www.vmg-steiermark.at/