Dieser Banner des Gesundheitsministeriums zeigt eine Hand mit einer weißen Pille zwischen Daumen und Zeigefinger. Der Text im Vordergrund: "Ein Stück Verantwortung - die Pille danach. Rezeptfrei in der Apotheke für Frauen aller Altersgruppen. Nähere Informationen unter www.notfallpille.at". Das BIld ist als entgeltliche Einschaltung gekennzeichnet.

First Love

Klrsex-Blog, 11. Dezember 2014
David Neuber, im Gespräch mit Martina Morawitz

Für den heutigen KLRSEX-Blogeintrag habe ich mich mit Martina Morawitz, diplomierte Sozialarbeiterin in den First Love Ambulanzen in Wien, getroffen und sie hat mir viel über ihre Arbeit erzählt!

 
Die First Love Ambulanzen sind Beratungsstellen der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF), die sich an alle jungen Menschen richten – besonders aber an junge Frauen bis zum Alter von 18 Jahren! Kommen kann im Prinzip jeder und jede zu den Öffnungszeiten (siehe auch: First Love) ohne Terminvereinbarung und ohne E-Card, also völlig anonym. Dort können dann alle Themen frei von Tabus angesprochen werden. Besonders häufig werden Fragen zu Verhütung, Fragen zum eigenen Körper, Fragen zu Liebe, Lust, Leidenschaft und Beziehungen gestellt. Häufig ist auch eine erste gynäkologische Untersuchung der Grund für den Besuch.

ÖGF First Love Beratungsstellen:

Donauspital SMZ-Ost, 1. Stock
1200 Wien, Langobardenstr. 122
Beratungszeiten: FR 14-17 Uhr
(Anmeldung bis 16 Uhr)

Krankenanstalt Rudolfsstiftung, 1. Stock
1030 Wien, Juchgasse 25
Beratungszeiten: MO & MI 14-18 Uhr
(Anmeldung bis 17 Uhr)

Hanusch-Krankenhaus, Pavillon 2, Erdgeschoß
1140 Wien, Heinrich Collin-Straße 30
Beratungsszeiten: 1. und 3. MI 14 bis 18 Uhr
(Anmeldung bis 17 Uhr)

„Ich rede, viel und oft und gerne“

Öfter als früher stehen heute Fragen zum eigenen Körper, und ob der eigene Körper „normal“, ist im Mittelpunkt von Beratungsgesprächen. Durch Werbung, Medien und Pornographie vermittelte Schönheitsideale sind mehr denn je Grund für Verunsicherungen und für die Suche nach Beratung. Dauerbrenner, seit mehr als einem Jahrzehnt, sind alle Fragen zu Schwangerschaft, Empfängnisverhütung und Verhütungsmitteln. Nach einer Untersuchung können in First Love Ambulanzen von der Gynäkologin auch Verhütungsmittel verschrieben werden. Bei der Untersuchung wird keine E-Card verlangt! Damit ist der Weg, anders als bei KassenärztInnen, oder anderen Beratungsstellen, möglichst anonym und bürokratiefrei für junge Frauen.

Für Martina Morawitz und das First Love Team stehen Anonymität und Parteilichkeit gegenüber den jungen Frauen, die sie beraten, im Vordergrund. Auch wenn Eltern, Freund, BetreuerIn oder eine andere Bezugsperson mit bestimmten Vorstellungen und Auskunftswünschen als Begleitung bei dem Besuch dabei sind: Es wird nur gemacht, was auch wirklich von der Jugendlichen gewollt wird – und auch nichts ohne deren Wunsch weitererzählt.

„Ins Spital geht man eigentlich nur wenn man krank ist.“

Seit 15 Jahren ist Martina Morawitz in den First Love Ambulanzen der ÖGF in den Krankenhäusern Rudolfstiftung und SMZ-Ost tätig.

Diese gehören nicht zu den Krankenhäusern, werden dort geduldet, dürfen Räumlichkeiten und Inventar benutzen, mehr aber auch nicht. Die großen Spitäler haben zwar den Vorteil Anonymität auszustrahlen, lösen aber auch Verwirrungen aus. Denn ins Krankenhaus geht man mit Krankheitssymptomen und nicht mit Fragen zu Liebe, Lust und Leidenschaft. Der große Traum, sagt Martina Morawitz, wären also eigene fixe Räumlichkeiten mit fixen Öffnungszeiten und fixem Personal, doch dafür fehlt derzeit das Geld. Es bräuchte eine politische und gesellschaftliche Debatte, die Fragen zur Sexualität und Bedürfnisse junger Menschen in diesem Zusammenhang auf den Tisch legt und nicht als Tabus unter den Teppich kehrt.

Foto: David Neuber im Gespräch mit Martina Morawitz. © BJV

„Jugendliche und Sexualität“, bzw. „Jugendliche haben Sex“, gilt immer noch vielfach als Tabu und noch immer gibt es absurde Behauptungen und Mythen, dass Beratungsstellen wie jene der First Love Ambulanzen Jugendliche erst zu Sex verleiten und sie damit „verderben“ würden. Im gesellschaftlichen und politischen Diskurs sollten diese tabuisierten Themen offen angesprochen, Beratungsstellen stärker finanziert und nicht wie so häufig verhindert werden. Diesen Wunsch nach einem Ausbau von First Love Beratungsstellen ist nicht nur eine Forderung von ExpertInnen, sondern ein klarer Wunsch von Jugendlichen selbst, wie die Antworten auf unsere Postkarten-Aktion zeigen!

„Wenn es nicht nur am Papier stehen tät!“

Beratungsstellen nach dem Prinzip der ÖGF First Love Ambulanzen sind demnach flächendeckend für ganz Österreich notwendig!

Im aktuellen Regierungsprogramm (Herbst 2013) ist die Herausforderung „Qualitätsverbesserung der medizinischen Angebote für Frauen unter dem Aspekt des biopsychosozialen Modells“ angesprochen und die Maßnahme „Ausbau von »FirstLove-Ambulanzen« und Frauengesundheitszentren in allen Bundesländern“ festgehalten worden. In der Realität gibt es First Love Ambulanzen mit den beschriebenen Prinzipien der Parteilichkeit den Mädchen gegenüber, der terminlosen Beratung und der Anonymität seit Jahren nur in Wien. Für ein breites, österreichweites Beratungsnetzwerk, das junge Frauen niederschwellig erreicht und anonyme Untersuchungen ermöglicht, ist ein rascher Ausbau in vielen Bundesländern gefordert. Die Fragen, die Jugendlichen in der Beratung auf der Zunge liegen, sind in ganz Österreich gleichermaßen brennend und müssen durch kompetente Unterstützung ernst genommen werden. Deshalb fordern wir, als BJV, die Umsetzung dieser im Regierungsprogramm erwähnten Maßnahme auch massiv ein!

Ein Foto vom Eingang zum Donauspital (Wien). © BJV