Wissen ist Macht. Macht Wissen für alle!

Klrsex-Blog, 24. Oktober 2014
Laura Schoch

Am Dienstag konnte ich gemeinsam mit der Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Wolfgang Kostenwein vom Institut für Sexualpädagogik den Spot zur Kampagne präsentieren, ab dem 24. Oktober ist er für zwei Wochen in allen Bundesländern im Kino zu sehen. Die BJV thematisiert damit diese unendlich nervige Sprachlosigkeit von Erwachsenen in Bezug auf Sexualität – insbesondere in Bezug auf Sexualität von Jugendlichen und Fragen von Kindern. Wir kritisieren aber nicht nur, wir haben auch ganz konkrete Vorstellungen zur Sexualpädagogik der Zukunft! [1]

Macht für jede Altersstufe!

Die BJV will einen Paradigmenwechsel wenn es um die sogenannte „Aufklärung“ geht. Derzeit wird Sexualität in der Schule im Biologie- und im Religionsunterricht behandelt. Wenn man sich dessen bewusst ist, dass Sexualität Menschen eigentlich ihr ganzes Leben lang begleitet, ist das etwas mager. Deshalb plädiert die BJV dafür, dass Sexualpädagogik vom Kindergarten, über die Volksschule bis zur Pubertät und darüber hinaus eine Rolle spielt. Natürlich ist es wichtig, altersadäquat mit dem Thema umzugehen!

Vom Kindergarten …

Eine Kindergartenpädagogik zeigt vor einer Kindergruppe eine Biene und eine Blume. © BJV

Für den Kindergarten stellen wir uns folgendes vor: Sexualpädagogik soll stärker in die Ausbildung von künftigen PädagogInnen einfließen – und zwar verpflichtend. PädagogInnen sollen so ein stärkeres Bewusstsein entwickeln können, wie sie „ihre“ Kinder in verschiedenen Entwicklungsfeldern besser unterstützen können. Da geht es nicht konkret um „Sexualität“, wie Erwachsene sie leben, sondern um ein positives Lernen rund um den eigenen Körper, damit Kinder sich selbst und ihre Grenzen besser wahrnehmen können. Außerdem sollen KindergartenpädagogInnen in der Lage sein, mit kindlicher Sexualität umzugehen, ohne damit überfordert zu sein…

Das heißt: Fragen beantworten zu können, aber auch soziale Normen rund um das Thema kindgerecht zu vermitteln. Sie sollen Ansprechpersonen für Eltern sein können, wenn Unsicherheiten oder Fragen auftauchen, und sie müssen dabei sensibel sein und versuchen möglichst ALLE Eltern zu erreichen.

… über die Volksschule …

In der Volksschule geht es dann weiter. Auch hier muss Sexualpädagogik fixer Bestandteil der Ausbildung von den künftigen LehrerInnen werden. In dieser Zeit ist es wichtig, dass ein Augenmerk auf die Prävention von sexualisierter Gewalt gelegt wird – PädagogInnen müssen aufmerksam sein und Kinder im Verdachtsfall schützen können, sie müssen ihnen aber auch den Rücken stärken und sie darauf vorbereiten, dass niemand jemals ihre selbst gesetzten Grenzen überschreiten darf.

Niemals darf ein Kind das Gefühl haben, Schuld an einem Übergriff zu sein und dafür Verantwortung zu tragen!

Ein Mädchen im Volksschulalter hält zwei nackte Barbiepuppen fragend hoch. © BJV

Wichtig ist auch, dass eine antidiskriminierende Haltung im Unterricht und im Schulalltag gelebt wird. Für die BJV bedeutet das, dass kein Kind, dessen Elternteil alleinerziehend ist, dessen Eltern in gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaften leben, das adoptiert wurde, bei Pflegeeltern lebt oder in einer betreuten Einrichtung aufwächst, deshalb benachteiligt werden darf.
Für dieses Alter passendes Faktenwissen und emotionale Kompetenzen würden wir gerne in Projekttagen in der 4. Klasse Volksschule sehen.

… mit Sensibilisierung für alle PädagogInnen …

Ein Lehrer zeigt vor der Schulklasse auf zwei Tafeln, die Geschlechtsorgane darstellen. © BJV

Ich wurde bei der Pressekonferenz gefragt, ob wir mit unserem Spot PädagogInnen und Eltern kritisieren wollen. ÄHM… – Nein! Wenn wir davon ausgehen, dass es derzeit noch immer unzureichend ist, was Kindern und Jugendlichen über Sexualität vermittelt wird, dann liegt für uns die folgende Erklärung nahe: Dass den PädagogInnen von heute in ihrem Aufwachsen und in ihrer Bildung nicht mehr – sondern eher noch weniger – Wissen mitgegeben wurde. Deshalb soll es ihnen allen ermöglicht werden, sich in einem professionellen Rahmen weiterzubilden und mögliche Unsicherheiten abzubauen.

… bis zur Pubertät und darüber hinaus!

Bei jungen Menschen beginnt sich die erwachsene Sexualität ab dem Alter von 9-10 Jahren zu entwickeln. Es kommt dann auch schön langsam zu körperlichen Veränderungen und genauso verändern sich die Fragen. Dabei entsteht vor allem Neugier über erwachsene Sexualität und gleichzeitig wird es aber auch unangenehm, mit Erwachsenen darüber zu sprechen.

Darüber, wie Sexualpädagogik ab dann aussehen könnte, werde ich in meinem nächsten Eintrag schreiben und für euch Bettina Weidinger vom Institut für Sexualpädagogik ein paar Fragen stellen.

Eine Gruppe von SchülerInnen blickt fragend. © BJV

Ich treffe Bettina übrigens am Sonntag bei einem Training für Frauen* aus der Jugendarbeit zur Arbeit mit Jugendlichen und Sexualpädagogik – danke an dieser Stelle an das Frauenkomitee der BJV, super dass ihr das ins Rollen gebracht habt!

 

[1] Bekanntlich stammt der Erlass, der Sexualpädagogik regelt, aus dem Jahr 1990. Er ist also 25 Jahre alt. Bekanntlich ist in den vergangenen 25 Jahren recht viel passiert. Junge Menschen können sich beispielsweise heute im Internet informieren; wie wir wissen findet man dort allerdings nicht nur tatsächlich nützliche Infos. Doch genau darüber, warum Jugendliche sich zu Pornos hingezogen fühlen und was das für Konsequenzen haben kann, in einem späteren Eintrag mehr…