Dieser Banner des Gesundheitsministeriums zeigt eine Hand mit einer weißen Pille zwischen Daumen und Zeigefinger. Der Text im Vordergrund: "Ein Stück Verantwortung - die Pille danach. Rezeptfrei in der Apotheke für Frauen aller Altersgruppen. Nähere Informationen unter www.notfallpille.at". Das BIld ist als entgeltliche Einschaltung gekennzeichnet.

Die „Pille danach“.

Klrsex-Blog, 20. November 2014
Laura Schoch

In wenigen Wochen feiert die rezeptfreie Abgabe der „Pille danach“ in Apotheken ihr 5 jähriges Jubiläum. Das Notfallmedikament leichter zugänglich zu machen, war ein wichtiger Schritt. Die BJV gratuliert! Trotzdem ranken sich um die „Pille danach“ viele Mythen – heute möchte ich versuchen, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Hard Facts

Frauen, die in Österreich die „Pille danach“ kaufen wollen, bekommen in der Apotheke um € 12,90 das Medikament „Vikela“. Es wirkt 72 Stunden lang, aber es gilt: umso schneller die „Pille danach“ eingenommen wird, desto besser. Es ist nachgewiesen, dass die Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft bei 95 % liegt, wenn man sie innerhalb der ersten 24 Stunden einnimmt. Es ist also wichtig, dass frau möglichst gleich nach ungeschütztem Sex oder einer Verhütungspanne zur „Pille danach“ kommt.

Mythos 1: Die „Pille danach“ ist eine Hormonbombe, die Frauen sich nicht zumuten sollten

Wer hat das noch nicht gehört? Nicht nur wenn Frauen davon erzählen, dass sie sie gebraucht und genommen haben, auch in einfachen Gesprächen zum Thema, kommt das immer wieder vor. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) bewertet das ganz anders. Die „Pille danach“ ist medizinisch unbedenklich, aber gut wirksam. Es ist auch kein Problem, wenn sie in einem Monat mehrmals genommen wird. Weil die Anwendung so kurzfristig ist, sind auch Nebenwirkungen, die bei einer regelmäßigen Einnahme der „normalen“ Pille auftreten können (z.B.: Thromboserisiko), nicht gegeben. Eine ärztliche Untersuchung ist davor gar nicht notwendig, die WHO gibt allen BefürworterInnen einer raschen und unkomplizierten Abgabe recht: Es ist wichtig, dass Frauen möglichst schnell auf die „Pille danach“ zugreifen können! Am besten hat man also immer eine zu Hause.
Natürlich kann frau sich unwohl oder ein bisschen durcheinander fühlen. Hormone sind halt kein Zuckerschlecken, sie ändern sich aber auch ständig. Es ist also nicht in Stein gemeißelt, dass sich eine Einnahme der „Pille danach“ immer gleich anfühlt.

Mythos 2: Wer „Pille danach“ nimmt, greift zu einer „Abtreibungspille“

Wer sich nicht auskennt, muss vieles glauben – dieser Grundsatz gilt auch hier. Die „Pille danach“ verzögert bzw. verschiebt nur einen Eisprung. Wenn schon eine Schwangerschaft besteht, dann kann die „Pille danach“ daran nichts ändern. Die Dosierung des Gelbkörperhormons wäre viel zu gering dazu.

Mythos 3: Frauen verwenden die „Pille danach“ als normales Verhütungsmittel

Die „Pille danach“ ist also ein wirksames Notfallmedikament. Den allermeisten Menschen ist es schon mal passiert, anderen wird es vielleicht noch passieren: Sex ohne bzw. ohne ausreichenden Schutz. Das ist nicht besonders intelligent, keine Frage. Aber es passiert, weil in solchen Situationen für gewöhnlich nicht mehr viel nachgedacht wird, sondern es um etwas anderes geht.

Dass Frauen mit der „Pille danach“ regulär verhüten würden, ist ein absurdes Argument gegen einen leichten Zugang: Sie ist dazu im Verhältnis viel zu teuer und noch immer kann es sein, dass man als Käuferin einer Moralpredigt oder schiefen Blicken ausgesetzt wird.

Junge Menschen stehen bzw. sitzen zusammen und halten zwei Leinwände sowie Sprechblasen mit den Fragen "Was heißt Pille danach", "Wiso ist das kein Luftballon", "Wo ist da unten" und "Wie geht schwul" in die Höhe. © BJV/Clemens Schneider

Außerdem lässt sie noch immer die Möglichkeit einer Schwangerschaft offen – keine Frau, die zum Zeitpunkt der „Panne“ definitiv keine Schwangerschaft möchte, bevorzugt eine Stresssituation gegenüber geregelten Verhältnissen.

Nächste Schritte notwendig!

Spätestens 5 Jahre nach Einführung der rezeptfreien Abgabe der „Pille danach“ in Apotheken ist es an der Zeit sich darüber Gedanken zu machen, wie insbesondere junge Frauen leichter rechtzeitig zu ihrem Recht auf die „Pille danach“ kommen, wenn sie sie brauchen! Apotheken sind oft nicht der Rahmen, in dem junge Frauen sich beraten lassen wollen bzw. kann es sein, dass sie sich beim Kauf unwohl fühlen. So komisch es klingt, aber auch ApothekerInnen können Autoritätspersonen sein und es sich heraus nehmen, über das Verhalten von Anderen zu urteilen. Wenn sie vor jungen Frauen nicht ausreichend Respekt haben, bedeutet das unnötige unangenehme Situationen. Außerdem ist es gerade im ländlichen Raum nicht so einfach, immer rechtzeitig in eine Apotheke zu kommen, von der Tatsache, dass der/die ApothekerIn vielleicht bekannt ist, ganz zu schweigen.

Neben der Abgabe in Beratungsstellen und bei FrauenärztInnen muss auch gewährleistet sein, dass alle Mädchen und jungen Frauen auf Wunsch auch einen anonymen Zugang dazu haben – also unter ärztlicher Schweigepflicht. Eine Möglichkeit, die aus Sicht der BJV geprüft werden sollte, wäre es, SchulärztInnen zur Beratung über die „Pille danach“ auszubilden und eine etwaige Abgabe zu ermöglichen. Darüber hinaus sollen Informationen über Beratungseinrichtungen viel breiter gestreut werden – auch an Schulen!

PS: Ein kleines Stück Verantwortung

Für eine Aufklärung von diversen Lügen und Mythen um die „Pille danach“ sollte sich eigentlich nicht die BJV zuständig fühlen. Wer Falsches über Medikamente verbreitet, handelt in meinen Augen fahrlässig. Immerhin kann es sein, dass sich eine Frau dagegen entscheidet sie zu nehmen und möglicherweise mit Konsequenzen umgehen muss, die gar nicht notwendig gewesen wären. Die „Pille danach“ ist ein Stück Verantwortung und es ist Menschen zuzutrauen – auch Jugendlichen – mit Verantwortung auch verantwortungsvoll umzugehen.