Dieser Banner des Gesundheitsministeriums zeigt eine Hand mit einer weißen Pille zwischen Daumen und Zeigefinger. Der Text im Vordergrund: "Ein Stück Verantwortung - die Pille danach. Rezeptfrei in der Apotheke für Frauen aller Altersgruppen. Nähere Informationen unter www.notfallpille.at". Das BIld ist als entgeltliche Einschaltung gekennzeichnet.

Mein Körper und ich.

Klrsex-Blog, 5. Dezember 2014
Laura Schoch

Eigentlich ist es ganz einfach: Körper hat man nur einen und auf den sollte man gut aufpassen. Verantwortung für sich selbst zu übernehmen (oder übernehmen zu können) ist aber gar nicht immer so einfach. Es ist immer wieder die gleiche Krux, die hier schon so oft beschrieben wurde: Um unseren Körper zu lieben, zu schützen und um uns in ihm wohlzufühlen brauchen wir Wissen!

Von Körpernormen…

Schon immer gab es Schönheitsideale – jenes mit dem wir heutzutage konfrontiert sind, hat es aber besonders in sich: Gerade Medien, besonders Werbungen, vermitteln eine Illusion von Attraktivität und Schönheit, die immer unerreichbar bleiben wird. Das mediale Bild ist eng, grafisch-nachbearbeitet und basiert auf gesellschaftlichen Normen, die gar nicht alle erfüllen können. Es fehlen Bilder, die uns zeigen wie wir wirklich sind: Egal wie groß, egal wie wir uns bewegen, welche Kleidung und Kleidergröße wir tragen, wie lange unsere Haare sind, wie alt wir sind, ob wir gehend oder rollend vorwärts kommen, welche Farbe unsere Haut hat, oder ob wir besser mit oder ohne Brille lesen. Einfach alle wunderschön!

Der angesprochene gesellschaftliche Druck, sich dem vorgefertigten Bild von Attraktivität anzugleichen, ist unter jungen Menschen besonders hoch. Besonders für Mädchen und junge Frauen wird dadurch ein unerträgliches Korsett geschaffen. Sie werden verunsichert und zu Diäten oder beispielsweise zur Einnahme der Pille für einen größeren Busen gedrängt, beginnen vielleicht schon früh über Schönheitsoperationen nachzudenken und lernen nicht, sich so zu lieben, wie sie sind. Aber auch für Burschen steigt der Druck und sie spüren die Auswirkungen. Um das Selbstwertgefühl von Jugendlichen zu stärken ist es notwendig, diese „Ideale“ zu demaskieren und wirksame Strategien gegen sexualisierte und sexistische Vorstellungen zu entwickeln.

… über Körperbewusstsein…

Junge Menschen müssen schon früh lernen können, dass sie einzigartig und wunderbar sind, dass sie ihren Körper und sich selbst respektieren und toll finden. Sie brauchen diese Sicherheit, um sich einerseits selbstbestimmt auf dem Parkett der Sexualität – egal in welcher „Phase“, mit wem und wo – bewegen zu können. Andererseits ist das aber auch deshalb so zentral, weil junge Menschen ihren eigenen „Schatz“ – also ihren Körper – wertschätzen müssen, um ihn schützen zu können. Die Basis dafür ist, sich in sich selbst wohlzufühlen. Den Rest kann und muss man lernen und braucht dazu im nächsten Schritt die notwendigen Mittel.

Viele Smiley-Icons in unterschiedlichen Formen und Varianten. © Alle anders, alle gleich - BJV

… bis zur Verantwortung über sich selbst.

Ansprechen möchte ich, dass es bei Verhütungsmittel nicht nur darum geht, Schwangerschaften zu verhindern, sondern dass Verhütung mehr ist! Aufklärungsarbeit über sexuell übertragbare Infektionen ist nach wie vor notwendig, muss aber sensibel passieren. Derzeit wird jungen Menschen Faktenwissen vor die Füße geknallt, auf eine jugendgerechte Aufarbeitung wird zu wenig geachtet. Es ist wichtig, Jugendlichen mögliche gesundheitliche Konsequenzen von ungeschütztem Sex aufzuzeigen, aber es darf nicht sein, dass Sexualität dadurch zu einem „Problem“ gemacht wird. Vielmehr geht es darum, dass ein verantwortungsvoller Umgang von Anfang an auf der Tagesordnung steht. Ein brennendes Thema ist das allemal: Bis zum Alter von 25 Jahren infiziert sich jede vierte Person mindestens einmal mit sexuell übertragbaren Viren oder Bakterien. In Österreich alleine infizieren sich täglich 1-2 Menschen mit HIV, oft ohne sich des eigenen Risikos bewusst zu sein. Andere Viren oder Bakterien, die Geschlechtskrankheiten mit ernsthaften Folgen verursachen können, sind noch um vieles weiter verbreitet – reden tut darüber aber fast niemand.

Wieder mal nächste Schritte notwendig!

Jugendliche Hände und der Text: Mit Verhütung, mit Spaß, ohne Panne. © BJV

Notwendige Mittel zur Verhütung von sexuell übertragbaren Krankheiten müssen für Jugendliche leichter zugänglich werden. Sprich: Kondome sollten für alle jungen Menschen ganz selbstverständlich an den Orten, an denen sie sich hauptsächlich aufhalten, zur freien Entnahme aufliegen. Klar geht es auch darum, sich bei der Anwendung auszukennen – keine Sorge, Jugendliche wollen das wissen und lernen schnell. Es ist unerlässlich zu lernen, dass bei allen sexuellen Praktiken, bei denen Geschlechtsorgane berührt werden, Verhütung ein zentraler Aspekt ist. Also auch bei oralem oder analem Sex, aber auch für Frauen, die mit Frauen oder Männer, die mit Männern schlafen.

Eine aktuelle politische Forderung haben wir als BJV, ergänzend zu einer sehr begrüßenswerten Entscheidung des Gesundheitsministeriums, noch erarbeitet: Seit Februar 2014 ist die HPV-Impfung für junge Menschen bis 12 Jahren Bestandteil im Schulimpfprogramm. Wir fordern, dass die Option einer kostenlosen Impfung rasch für alle bis 18 Jahre erweitert wird und dass es auch für alle jungen Menschen ab 18 eine kostengünstige Möglichkeit zur Impfung gibt. Diese Viren sind aggressiv und können weitreichende Folgen haben, desto eher dagegen geimpft wird, desto besser. Jedoch ist es besonders wichtig, dass es eine hohe Rate an geimpften Personen gibt, um Übertragungen langfristig einzuschränken – jene, die eine mögliche kostenlose Impfung in der Schule aufgrund ihres Alters nun knapp verpasst haben, sollen noch die Gelegenheit bekommen. Denn die Impfungskosten sind für Einzelne definitiv zu hoch!

 

PS: Am 1. Dezember war Welt-Aids-Tag. Ein Tag, der Bewusstsein schaffen und Menschen dazu motivieren soll, sich zu schützen. Er ist ein Tag, der für die Akzeptanz steht – denn immerhin soll niemand ausgegrenzt werden, egal mit welchen gesundheitlichen Problemen er oder sie im Alltag zu kämpfen hat. Der 1. Dezember ist aber auch ein Tag, an dem an all jene gedacht werden soll, die diese tückische Krankheit nicht überlebt haben. Würden wir uns gerade unterhalten, würde ich vorschlagen, dass wir kurz in uns gehen und unsere Solidarität zum Ausdruck bringen. Danke, und Bussi!