Teenagerschwangerschaften

Klrsex-Blog, 18. Dezember 2014
Johanna Marquardt, Projektkoordinatorin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF)

Jeden Tag bringen weltweit rund 20.000 Mädchen unter 18 Jahren ein Kind zur Welt. Eine Schwangerschaft hat starke Auswirkungen auf das Leben eines Mädchens – und selten positive. Ausbildungs- und Berufsaussichten verschlechtern sich meist und Armut, Ausgrenzung sowie Abhängigkeit können folgen.

Viele Länder arbeiten daran die Anzahl der Teenagerschwangerschaften zu verringern. Jedoch werden meist Methoden angewandt, welche das Verhalten der Mädchen ändern sollen. Es wird davon ausgegangen, dass die Mädchen selbst dafür verantwortlich sind die Schwangerschaft zu verhindern und dass es an ihnen liegt, wenn sie doch schwanger werden. Solche Denkmuster sind falsch und können Teenagerschwangerschaften nicht verhindern. Bei diesen Ansätzen werden gesellschaftliche Zwänge und Gewalt, denen die Mädchen ausgesetzt sind, ausgeklammert. Um Teenagerschwangerschaften zu reduzieren, braucht es soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Einbeziehung von Burschen und Männern sowie die grundlegende Stärkung von Mädchen und Frauen.

Kinderehen

Jeden Tag heiraten weltweit 39.000 unter 18-jährige junge Frauen und jedes neunte Mädchen wird vor dem 15. Geburtstag verheiratet!

In 146 Staaten können mit Zustimmung der Eltern oder anderer Instanzen Mädchen und junge Frauen unter 18 Jahren heiraten – oder verheiratet werden.In 52 Ländern können sogar Mädchen unter 15 Jahren mit elterlicher Zustimmung verheiratet werden. Burschen hingegen dürfen nur in 13 Ländern unter 18 Jahren heiraten. In Österreich wird das zulässige Alter für eine Ehe nicht nach Geschlecht unterschieden: Es dürfen Burschen und Mädchen schon ab 16 Jahren heiraten, wenn der oder die EhepartnerIn bereits das 18. Lebensjahr vollendet hat.

Eine Weltkarte, die die Verteilung von Teenagerschwangerschaften zeigt. © M Tracy Hunter
Author: M Tracy Hunter, Datenquelle: United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division

Weltweit ist die frühe Eheschließung beziehungsweise Verheiratung von Mädchen und jungen Frauen der maßgebliche Grund für eine – mitunter lebensbedrohliche – Teenagerschwangerschaft.

Gesundheitliche Risiken

Während in vielen Ländern gesundheitliche Versorgung nicht ausreichend zugänglich oder vorhanden ist, sind es anderswo gesellschaftliche Tabus, die junge Schwangere gefährden: Oft wollen die Mädchen die Schwangerschaft selbst nicht wahr haben, gehen erst sehr spät zu einer Ärztin/einem Arzt und erhalten dadurch auch erst spät die notwendige medizinische Betreuung. Auch die Ärztin/der Arzt registriert oftmals erst spät, dass das Mädchen schwanger ist; so quasi: „was nicht sein darf, kann nicht sein.“ Kommen minderjährige Mädchen mit Unterleibsbeschwerden oder ungeklärten Rückenschmerzen zu ihrer Allgemeinärztin/ihrem Allgemeinarzt, suchen diese meist nach einem anderen Grund für die Symptome. Daher ist es wichtig auch AllgemeinmedizinerInnen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Die frühe medizinische Betreuung ist gerade bei sehr jungen Müttern wichtig, denn eine Schwangerschaft, die eintritt, bevor der Körper eines Mädchens voll ausgebildet ist, stellt immer eine Gefahr für Mutter und Kind dar. Innerhalb der ersten zwei Jahre nach der ersten Menstruation oder während des Wachstums von Becken und Geburtskanal ist eine Schwangerschaft besonders risikoreich.

Rund 70.000 Mädchen und junge Frauen sterben jährlich weltweit an den Komplikationen infolge von Schwangerschaft oder Geburt – das sind mehr als 190 täglich und ist somit die zweithäufigste Todesursache von älteren Heranwachsenden. Die nicht weniger erschreckende Haupttodesursache der 14-19 Jährigen Mädchen und jungen Frauen ist Selbstmord!

Die weitreichenden gesundheitlichen Gefahren für Säuglinge und Kinder junger Mütter sind längst ausreichend bekannt. Weltweit erleben rund eine Million Kinder von Teenagermüttern ihren ersten Geburtstag nicht. Die überlebenden Säuglinge haben häufig ein geringeres Geburtsgewicht und kommen sehr oft als Frühgeburt zur Welt.

Teenagerschwangerschaften in entwickelten Ländern – Österreich

Überall auf der Welt werden arme, wenig gebildete und auf dem Land lebende Mädchen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit schwanger als wohlhabendere, in einer Stadt lebende und besser ausgebildete Altersgenossinnen. Das gilt auch für Mädchen und junge Frauen, die einer ethnischen Minderheit oder marginalisierten Gruppe angehören und denen es im Leben an Wahlmöglichkeiten und Chancen mangelt. Wenn Mädchen nur begrenzten oder gar keinen Zugang zu Angeboten der sexuellen und reproduktiven Gesundheit haben, also zu Sexualpädagogik, Verhütungsmitteln und Gesundheitsversorgung, werden sie ebenfalls mit höherer Wahrscheinlichkeit schwanger.

Der Verhütungskoffer mit seinen Inhalten: Verschiedene Verhütungsmittel ausgelegt. © OeGF

Teenagerschwangerschaften gibt es sowohl in Entwicklungs- als auch in Industrieländern. Zahlenmäßig bestehen allerdings erhebliche Unterschiede, obwohl die auslösenden Faktoren vergleichbar sind.

Im Jahr 2012 brachten 512 Mädchen unter 18 Jahren in Österreich ein Kind zur Welt. Sieben der Mädchen waren sogar unter 14 Jahre alt. Zu diesen Zahlen müssen wir noch jene Teenagerinnen hinzudenken, die schwanger werden und sich dann für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden.

Vor allem seit die TV-Serie „Teenager werden Mütter“ ausgestrahlt wird, kommen vermehrt junge Mädchen in die ÖGF-Beratungsstellen, um zu erfahren, wie sie selbst möglichst schnell ein Kind bekommen können. Oft getragen von dem Wunsch nach Liebe und danach, dem eigenen, jungen, Leben dadurch erst Bedeutung oder Chancen zu geben. Dabei vergessen sie, dass auch hierzulande eine Teenagerschwangerschaft aus medizinischer Sicht eine Risikoschwangerschaft ist und welche sozialen und wirtschaftlichen Folgen auf sie zukommen könnten.

Um ungewollte Schwangerschaften in Österreich zu vermeiden, braucht es eine bessere Sexualausbildung der PädagogInnen, Verankerung der Sexualpädagogik als regelmäßiger Bestandteil im Lehrplan und kostenlose Verhütungsmittel für Jugendliche, inklusive der Notfallverhütung.

Das Logo der First Love Beratungsstellen © OeGF

In unseren First Love Beratungsstellen beraten wir Jugendliche kostenlos, anonym und ohne Voranmeldung zu den Themen Liebe, Sex und Verhütung. Genauere Infos sowie unsere Online-Beratung könnt ihr im letzten Blogeintrag oder unter www.firstlove.at nachlesen.