Mein ganz persönliches IGF 2015

Internet Youth Delegate Florian Daniel ist zurück vom IGF in Brasilien. Uns erzählt er von seinen ganz persönlichen Eindrücken.

Als ich am allerersten Tag beim IGF (Internet Governance Forum) in Brasilien ankam, konnte ich kaum den Unterschied zwischen ICANN und IANA erklären. Das war mir zwar nicht besonders peinlich, aber es beschreibt ganz gut, wie ich ganz persönlich das IGF erlebt habe. Ich bin in Communities eingetaucht, hab gesehen, wie sie arbeiten, wo die Verantwortungen liegen und wie hart Konsens sein kann. Nach dieser einen Woche kann ich nun sagen, dass das mit Sicherheit die aufregendste, lehrreichste aber auch unterhaltsamste Woche überhaupt war.

Selten findet man so viele verschiedene Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern mit so verschiedenen Kulturen und Meinungen auf einem Haufen. Und dann noch einige der Schlüsselfiguren und Wegbereiter der ersten Stunde des Internets zu treffen, hat die Woche natürlich noch unvergesslicher gemacht.

Ich bemühe mich hier bewusst, den Begriff Stakeholder nicht zu verwenden. Nach einer Woche voller Multi-Stakeholder Diskussion muss ich das als Internet Governance Newbie erst noch etwas verdauen. In ein paar Wochen, wenn ich meine Erfahrungen etwas genauer reflektiert habe, schreibe ich dann gerne etwas über Stakeholer, Empowerment, Inklusivität, Offenheit und alle anderen Schlagworte, mit denen man dort ohne Probleme eine Runde Bingo gewinnen hätte können.

Ich kenne keine Community, die offener ist als die Internet Community, was mich zu einem weiteren interessanten Thema bringt. Es waren relativ viele junge Menschen aus Südamerika, Mittelamerika und der Karibik am diesjährigen IGF vertreten, was natürlich daran lag, dass es in Brasilien stattfand. Ich war aber dennoch sehr überrascht, dass ich keinem einzigen jungen Menschen aus Nordamerika begegnet bin.

Junge Leute haben einen ganz großen Nachteil anderen IGF-TeilnehmerInnen gegenüber. Nicht alle sind Teil eines Unternehmens, einer Organisation oder einer Regierung, die die notwendigen finanziellen Mittel für mehrmalige Besuche des IGFs zur Verfügung stellen würde. Es fehlt einfach ein nachhaltiger Prozess, der jungen Menschen die Möglichkeit geben würde, das IGF jedes Jahr zu besuchen.

Natürlich will ich mich aber nicht nur beschweren, ich will vor allem Dinge zum Besseren verändern. Ich habe vor, mich besonders dafür einzusetzen, die Teilnahme von Jugendlichen einfacher, besser und nachhaltiger zu machen. Und ich ganz persönlich will bei so vielen IGF Events wie möglich dabei sein!

Denn dieses IGF war vor allem eines: richtig cool!