Hass im Netz – was tun?

Selbstverteidigungsworkshop für junge Mädchen und Frauen
Hassreden im Internet werden zu einem immer größeren Problem in unserer Gesellschaft – besonders junge Frauen und Mädchen sind häufig davon betroffen. Um mit dieser Art der Bedrohung besser umgehen zu können, veranstaltete Staatssekretärin Muna Duzdar gemeinsam mit der Bundesjugendvertretung einen Workshop #GegenHassimNetz.

Viele verschiedene Faktoren führen zu ungehemmten Äußerungen von Hass im Netz, erzählt Journalistin Ingrid Brodnig den elf Teilnehmerinnen. HassposterInnen fühlen sich online anonym (oft selbst dann, wenn sie mit ihrem echten Namen unterwegs sind) und müssen die Reaktion ihres Gegenübers auf die Beleidigungen nicht erleben. Dadurch ist ihnen oft nicht bewusst, was sie durch ihre diffamierenden Kommentare anrichten können. Außerdem  unterschieden die PosterInnen oft zwischen ihrem Online-Ich und ihrem Offline-Ich. Sie koppeln die Online-Persönlichkeit bewusst von sich ab und fühlen sich dadurch weniger verantwortlich für das, was sie im Netz verbreiten. Zuletzt fehlen oft die Konsequenzen – sowohl gesetzliche als auch gesellschaftlich vereinbarte.

Dazu ein Beispiel: Wenn jemand in ein Kaffeehaus geht und dort die Gäste anpöbelt, wird in kürzester Zeit jemand aus der Geschäftsleitung eingreifen. Der Störenfried wird aus dem Lokal verwiesen – und all dies geschieht normalerweise, ohne dass die Polizei eingeschaltet werden muss. In der Online-Welt fehlen diese ModeratorInnen, die auf Störung reagieren und daran erinnern, die gesellschaftlichen Regeln einzuhalten, aber oft. Dadurch kommt es zu ungehemmteren Ausschreitungen.

Gemeinsam mit Ingrid Brodnig erarbeiteten die Teilnehmerinnen schließlich Strategien, die den Umgang mit Hassrede erleichtern sollen. Auf Grundlage der österreichischen Gesetze werden Hasskommentare in verschiedene Kategorien eingeteilt: da gibt es die Beleidigung oder Rufschädigung, aber auch Cybermobbing, gefährliche Drohungen oder Verhetzung. Alle diese Tatbestände sind strafbar, werden aber oft nicht angezeigt oder können nicht verurteilt werden – etwa, weil eine Drohung zu vage ausgesprochen war und deshalb kein unmittelbarer Tatverdacht vorliegt.

Sich gegen so etwas zu wehren, erfordert zuallererst einmal Mut; es bringt aber auch sehr viel! Bei den HassposterInnen nachfragen, was genau sie mit ihrem Statement meinen, ist etwa ein guter Anfang. Oft kommt schon dadurch ein Diskurs zustande. Auch ein Faktencheck ist eine gute Idee. Ein verschickter Link aus einer seriösen Quelle kann Wunder wirken.

Besonders wichtig ist es auch, das Problem/die Falschaussage zu benennen. Höflich auf unangebrachte Aussagen hinzuweisen, kann die Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene bringen. Aber auch Ignorieren, das Löschen von Hasskommentaren oder das Melden bei der sozialen Plattform kann helfen. Wichtig ist im Umgang vor allem das Abwägen – zahlt sich eine Diskussion aus, oder ist sie nur kräfte- und nervenzehrend? Mitdiskutieren hat aber vor allem den Vorteil, dass Mitlesende den Falschinformationen oder aggressiven Meinungen nicht so leicht Glauben schenken.

Text: Anna Holzhacker