Annas dritte Woche in New York

Woche 3 bei der UNGA war etwas entspannter als die ersten zwei Wochen. Mehrere Side Events und die Verhandlungen der Jugendresolution standen am Plan.

Informals

Im Fokus der Arbeit der Jugenddelegierten standen die sogenannten „Informals“ – die Vorverhandlungen – zur Jugendresolution. Nicht alle, aber die meisten der Mitgliedsstaaten nehmen an den Verhandlungen dazu teil und bei einigen Ländern dürfen auch die Jugenddelegierten mitverhandeln. Das geht aber nicht so einfach, wie man vielleicht denken möchte – die Jugenddelegierten dürfen natürlich nicht einfach ihre eigene Meinung einbringen, wie es ihnen gefällt. Alle Vorschläge (Proposals), Empfehlungen (Recommendations) oder Änderungen müssen vorher sowohl von der Ständigen Vertretung des Landes, als auch von der Hauptstadt, also der Regierung, genehmigt werden. Dieser Vorgang ist natürlich etwas langwierig, aber so läuft das bei den UN eben ab.

Wir haben uns regelmäßig gemeinsam Gedanken gemacht über die Punkte, die wir gerne in der Resolution haben möchten. Schwerpunkte waren definitiv die Erwähnung von „Sexual orientation and gender identity“ sowie „Comprehensive Sexual Education“, außerdem war es wichtig für uns, Aspekte wie Inklusivität in die Resolution zu bringen. Viele dieser Ideen scheitern letztendlich aber am Ressentiment von konservativer eingestellten Staaten. Die Informals zur Jugendresolution gehen übrigens auch jetzt noch weiter – zu einem Zeitpunkt, an dem fast keine Jugenddelegierten mehr bei der UNGA sind…

Diese Woche durfte ich Österreich dort alleine vertreten (wenn auch ohne Rederecht), was bedeutet, dass ich die Verhandlungen und die massivsten Änderungen verfolgt habe, und schließlich bei der zuständigen österreichischen Delegierten des dritten Komitees Bericht erstattet habe.

Human Rights Council Election

Die wichtigste Veranstaltung der letzten Woche war definitiv die Wahl der Mitglieder zum Human Rights Council (Menschenrechtsrat). Nächstes Jahr steht übrigens auch Österreich für die Amtsperiode von 2019-2021 zur Wahl. 47 der UN-Mitgliedsstaaten sind für ihre Amtszeit zuständig für die Bewahrung und den Schutz der Menschenrechte weltweit. Das Human Rights Council ist übrigens eine relativ junge UN-Institution, erst 2006 löste es die „UN Commission on Human Rights“ ab.

Die Wahlen sind sehr langwierig – obwohl grundsätzlich von den Regierungen vorgegeben wird, wie die Mitgliedssaaten abstimmen, halten sich nicht alle daran. In „Ländergruppen“, die geographisch sortiert sind, stimmen dann alle anwesenden Länder ab, können aber auch ungültig stimmen oder für Länder, die eigentlich nicht zur Wahl stehen. Wenn das passiert (und das kommt gar nicht so selten vor), dann gibt es auch Länder, die nur eine Stimme erhalten.

Diese Vorgänge verlängern aber die Auszählung der Wahlen massiv – dieses Jahr wurde fast 1 ½ Stunden lang ausgezählt (während die eigentlichen Wahlen nur 20 Minuten gedauert haben).

Abschied

Einige dramatische Abschiedsszenen waren übrigens auch zu beobachten. Jugenddelegierte untereinander, Jugenddelegierte und Interns, Jugenddelegierte und ihre Ständigen Vertretungen (ich habe beim Abschied fast geweint). Im Vergleich zu einigen KollegInnen hatte ich mit der österreichischen Ständigen Vertretung großes Glück, weil ich dort besonders herzlich empfangen wurde. Ob Hilfe und Unterstützung beim Side Event, Fragen zur UN oder Interesse an speziellen Verhandlungen: Ich hatte in jeder Situation AnsprechpartnerInnen, an die ich mich immer wenden konnte. Besonders bedanken muss ich mich an dieser Stelle bei der für mich zuständigen Delegierten der Ständigen Vertretung, Katharina Konzett-Stoffl. Auf ihre fachliche Unterstützung konnte ich immer zählen, besonders wichtig waren aber auch die ermutigenden Worte vor der Rede und vor unserem Event.

Danke an die Ständige Vertretung, danke an die Bundesjugendvertretung für die Fernhilfe (über sechs Zeitzonen und 6798,23 km hinweg) und danke an die UN – wir sehen uns definitiv wieder!

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