Annas Rede beim TrauDi! Kinderrechtspreis!

Bei der Österreichischen Kinderrechtsgala in Graz werden Projekte ausgezeichnet, die von Kindern und Jugendlichen konzipiert und ausgeführt werden. Das „Recht auf Beteiligung“ stand dieses Jahr im Mittelpunkt, weshalb ich meine Rede besonders an die anwesenden Kinder gerichtet habe.

Herzlichen Dank, dass ich heute hier sein darf! Dass in Österreich Initiativen geehrt werden, die sich für die Umsetzung von Kinderrechten einsetzen, ist etwas ganz Besonderes.

Noch zwei Sätze zu mir: Ich bin seit Juni 2017 die österreichische UN- Jugenddelegierte, was bedeutet, dass ich mir die größte Mühe gebe, die österreichischen Kinder und Jugendlichen sowohl vor den Vereinten Nationen, als auch vor der Regierung bestmöglich zu vertreten. Im Rahmen dieses Programmes war ich im Oktober drei Wochen in New York bei der Generalversammlung der UN, und ein immer und immer wiederkehrendes Thema waren „Die Rechte des Kindes“.

Nicht nur in formellen Gesprächen war dieses Thema häufig am Tapet, sondern auch zwischen den Jugenddelegierten und bei den Verhandlungen zur Jugendresolution. Eine Frage wurde besonders oft gestellt: „Was sind KINDER- und JUGENDrechte eigentlich?“.

Die Antwort ist einfach. Kinder- und Jugendrechte sind besondere Menschenrechte. Kinderrechte sind Menschenrechte, für deren Bewahrung wir uns besonders einsetzen müssen – weil die Stimmen von Kindern oft nicht laut genug sind, um gehört zu werden. Große Verantwortung liegt daher bei den Erwachsenen, die sich immer und immer wieder dafür stark machen müssen, dass die Rechte von Kindern gehört, wahrgenommen und geschützt werden.

Für mich gibt’s dann aber ein Problem. Tatsache ist nämlich, dass man die Jugend leicht in ein Eck stellen kann. „Die Jugend“, sagt man dann, und hat Bilder im Kopf von unselbstständigen, vom Smartphone abhängigen Mädchen und Burschen, die sich mit „Hallo, I bims“ vorstellen und sowieso kein politisches Interesse an den Tag legen. Und wenn doch, dann können sie aufgrund ihres jungen Alters ja noch gar keine Erfahrung haben, die ihre Meinung wertvoll macht. Die Jugendlichen schiebt man dann ab in speziellen Strukturen: Jungparteien, Jugendausschüsse, und und und.

Und dann diskutieren die jungen Menschen, die ihre Situation, ihre Probleme und Wünsche am besten kennen, nur untereinander. Entwickeln Ideen, Thesen, Vorschläge, wie man ihre Situation zum Besseren verändern kann. Und dann? Dann werden die Ideen vielleicht nicht umgesetzt. Weil diese grandiosen Einfälle es nicht aus der Jugendecke raus und auf die Tische der Entscheidungsträger schaffen.

Das ist jetzt keine Schuldzuweisung. Das System ist so, war schon immer so, und lässt sich nur schwer ändern. Möglich ist es aber – wenn wir alle gemeinsam etwas tun. Mit uns, meine ich alle Generationen gemeinsam. Die PolitikerInnen, die EntscheidungsträgerInnen haben hier vor allem die Verantwortung, jungen Menschen zuzuhören, sie einzubinden, auf ihre Meinungen einzugehen.

Heute Abend ist ein Satz besonders oft gefallen: „Jugend ist die Zukunft“. Dem stimme ich aber nur halb zu – Jugend ist nämlich auch die Gegenwart, die sich jetzt für Veränderungen einsetzen muss. Jugend muss sich hörbar machen; wie, ist dabei gar nicht so wichtig. Ihr könnt euren Weg in einem politischen Amt sehen oder wie ich ein unparteiisches politisches Amt bekleiden. Ihr könnt Jungschar- oder Pfadfindergruppen leiten, Andere beim Lernen unterstützen, Sternsingen gehen, einen Sport unterrichten. Jedes Engagement von euch ist wichtig, hilft erst mal einzelnen Menschen – und hat noch einen zweiten Faktor. Wenn ihr euch engagiert, werdet ihr sichtbar. Eine Stimme kann man sehr leicht überhören, aber wenn sich alle jungen Menschen in Österreich zu einem Thema äußern, laut sind, ihre Stimme erheben, dann kann man uns nicht mehr überhören.

Informiert euch, bildet euch eure eigenen Meinungen – Und tut sie kund! Erzählt euren FreundInnen davon, diskutiert mit euren Eltern, fordert eure LehrerInnen ein bisschen heraus. Zeigt damit, was junge Menschen alles auf dem Kasten haben, und seid geduldig dabei. Gemeinsam schaffen wir es, Kinderrechte und Jugendrechte in politische Entscheidungen einzubinden. Gemeinsam schaffen wir es, dass unsere Stimme gehört wird. Danke!

 

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