EU-Jugendkonferenz in Finnland

Mit statt über Jugendliche sprechen! Die EU-Jugendkonferenz in Helsinki lässt in punkto Jugendbeteiligung Luft nach oben.

Wir waren in Finnland! Nach der vergangenen EU-Jugendkonferenz in Bukarest (Rumänien) ging es Anfang Juli für uns nach Helsinki. „Wir“ sind in dem Fall Hannah und Shervin, die beiden europäischen Jugenddelegierten (EYDs), und Derai aus dem Vorsitzteam der Bundesjugendvertretung (BJV). Warum Helsinki? Weil Finnland mit Anfang Juli für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft übernommen und im Rahmen dessen auch eine EU-Jugendkonferenz ausgetragen hat.

Das Ziel der EU-Jugendkonferenz ist es, die Bedürfnisse junger Menschen in der europäischen Politik sichtbar zu machen. Dazu treffen sich für drei Tage aus jedem EU-Land Jugenddelegierte, Mitarbeiter*innen der Jugendministerien und Vertreter*innen der Europäischen Kommission.

Nachdem bei der letzten EU-Jugendkonferenz in Rumänien das Youth Goal #7 „Gute Arbeit für alle“ behandelt wurde, ging es diesmal um das Youth Goal #8 „Gutes Lernen“. Ein Thema, das besonders viele Jugendliche in Österreich beschäftigt, wie wir erst kürzlich bei der 1. Österreichischen Jugendkonferenz feststellen konnten.

Die BJV-Delegation in Finnland: Vorsitzender Derai mit den europäischen Jugenddelegierten Hannah und Shervin

Der Themenbereich des Youth Goals „Gutes Lernen“ ist sehr breitgefächert und beschäftigt sich u.a. mit Themen wie Ausbildung und Schule, Bildungsgerechtigkeit sowie formale und non-formale Bildung. Der Fokus der EU-Jugendkonferenz in Helsinki lag jedoch ausschließlich auf der Zukunft der Jugendarbeit – womit versäumt wurde, das Youth Goal #8 „Gutes Lernen“ in seiner Gesamtheit abzubilden. Es gab mehrere Fachvorträge und eine Podiumsdiskussion mit Jugendarbeiter*innen, aber ohne Beteiligung von Jugendlichen. Bei Studienbesuchen konnten wir einen Nachmittag lang Sozialprojekte für Jugendliche besuchen und uns mit Jugendarbeiter*innen austauschen. Insgesamt wurde an diesen drei Tagen sehr viel über Jugendliche gesprochen, aber sehr wenig mit Jugendlichen, was der eigentliche Sinn des Jugenddialogs ist.

Natürlich ist Jugendarbeit auch uns ein wichtiges Anliegen – allerdings bräuchte es für diese Debatte eine eigene Fachtagung und keine Jugendkonferenz, bei der Jugendliche nur als passive Zuhörer*innen fungieren. Diese Unzufriedenheit teilten auch noch andere Teilnehmer*innen – sowohl unter den Jugendlichen, als auch unter den politischen Entscheidungsträger*innen. Am letzten Tag konfrontierten wir deshalb die finnische Jugendministerin im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit unserer Kritik. Ihre Antwort: junge Menschen bräuchten mehr Selbstbewusstsein, um das Leben selbst in die Hand zu nehmen und ihre Realität von sich aus zu verändern, anstatt darauf zu warten, dass die Politik für sie etwas verändert. In unseren Augen eine Antwort, die nicht tief genug greift: zum einen gibt es schon lange eine Vielzahl von Jugendorganisationen, die selbstbewusst und mit viel Engagement die Welt zum Besseren verändern. Zusätzlich setzen sich junge Menschen wie Greta Thurnberg sehr stark und mutig für wichtige gesellschaftliche Anliegen ein.

Zum anderen lässt sich das Bildungssystem nicht allein durch guten Willen und „Selbstbewusstsein“ reformieren.  Diese Antwort hat leider bestätigt: Jugendpartizipation ist in der Politik immer noch keine Selbstverständlichkeit.

Gerade deswegen werden wir nicht aufhören, an einer stärkeren Beteiligung von jungen Menschen in politische Prozesse zu arbeiten! Wir hoffen, dass die Debatte in Helsinki ein Startschuss für Veränderung bei der Umsetzung der EU-Jugendkonferenz war und Jugendpartizipation immer mehr Einzug in politische Prozesse erhält.

Beim Jugenddialog mitmachen!

Werde auch du Teil davon und nimm an der Online-Umfrage des EU-Jugenddialogs zum Schwerpunktthema „Chancen für junge Menschen schaffen“ teil. An der Befragung können alle zwischen 14 und 30 Jahren teilnehmen und damit europäische Politik aktiv beeinflussen. Das Ergebnis wird im März 2020 bei der nächsten EU Jugendkonferenz in Kroatien präsentiert und fließt in die politischen Entscheidungsprozesse ein. Wir hoffen auf eine breite Beteiligung an der Online-Befragung! Denn was letztendlich zählt, ist das Ergebnis, um ein starkes Zeichen für ein jugendgerechtes Europa zu setzen. Und je mehr junge Menschen sich daran beteiligen, desto lauter wird unsere gemeinsame Stimme.