BJV-Studienfahrt nach Auschwitz

Von 5. bis 8 September 2019 bot die BJV 20 Interessierten die Möglichkeit, sich auf einer - mit dem Verein Gedenkdienst gemeinsam organisierten – Studienfahrt mit der Geschichte des Holocaust und im Speziellen mit der Geschichte vor Ort in Ausschwitz/Oświeçim zu beschäftigen.

Was war

Das Programm ist dicht: Nach der Ankuft gibt es am Abend noch eine kurze Stadtführung durch Oświeçim, mit besonderem Fokus auf die jüdische Geschichte des Ortes. Gleich zu Beginn wird uns dabei mitgeteilt, dass im Zuge der Studienfahrt von Oświeçim und Auschwitz geredet werden wird. Oświeçim wird verwendet werden, wenn es um den Ort geht, Auschwitz wird in direkter Verbindung mit dem Konzentrationslager-Komplex verwendet.

Am zweiten Tag gibt es am Vormittag Workshops, am Nachmittag wird das Stammlager 1 in Auschwitz besichtigt. Vier Stunden lang werden dabei nicht nur das „Lagerleben“ und der Ablauf der Tötungsmaschinerie der NationalsozialistInnen besprochen, sondern wir beschäftigen uns auch mit dem Leben von Juden und Jüdinnen vor sowie nach dem Holocaust. Die im Anschluss an das Abend stattfindende Reflexionsrunde gibt allen TeilnehmerInnen die Möglichkeit, über die gesammelten Eindrücke zu reflektieren, sich auszutauschen und neue Denkanstöße zu bekommen.

Am dritten Tag sprechen wir mit der Zeitzeugin Stefania Wernik über ihre Erinnerungen, Erfahrungen und die Lehren, die junge Menschen aus dem Holocaust ziehen sollten. Sie erzählt uns davon, wie man mit minimalen Mitteln im Konzentrationslager um das Überleben kämpfen musste und wie es ist, wenn der Ort der Heimat plötzlich zu einem Albtraum wird, dem man nicht entkommen kann.

Am Nachmittag besichtigen wir das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Hier beschäftigen wir uns unter anderem damit, wie das Lagerleben für Kinder und Jugendliche ausgesehen hat und erfahren noch mehr über die perfiden Pläne der NationalsozialistInnen, ganze Bevölkerungsgruppen zu töten. Den Tag beenden wir ebenfalls wieder mit einer Reflexionsrunde.

Bevor wir am vierten Tag wieder die Heimreise antreten, besuchen wir noch das jüdische Viertel in Kraków/Krakau, das rund eine Stunde von Oświeçim entfernt ist. Hier besuchen wir unter anderem einen jüdischen Friedhof sowie eine Synagoge und lernen somit mehr über jüdisches Leben.

Was bleibt

Wenn wir über die Zeit des Nationalsozialismus sowie alle begangenen Kriegsverbrechen nachdenken, ist es schwer sich das Ausmaß vor Augen zu halten. Oft ist es schwer, sich zu Zahlen, die man hört, Gesichter und das Leben der Personen vorzustellen. Bei einer Besichtigung in Auschwitz wird uns bewusst, dass hinter den Zahlen, die man in der Schule lernt, Menschen stehen. Bei der Ausstellung im Stammlager 1 Auschwitz wird nicht nur der zeitliche Ablauf des Holocaust erklärt, sondern es werden viele Gegenstände der (getöteten) Häftlinge sichtbar.

Zahlen und Gesichter sind oft schwer miteinander in Verbindung zu bringen und das wird bei einem Besuch in Auschwitz bewusst. Denn hier werden die Zahlen in den Bildern der Gefangenen zu Individuen mit einer Geschichte. Zu Personen und Lebensrealitäten, zu zerstörten Träumen, welche diese Personen gezwungen waren aufzugeben, da ihre Identität oder Vorfahren als ein legitimer Grund zur Vernichtung galten.

Was uns von dem Aufenhalt bleibt, ist das Wissen darum, wie wichtig es ist, bei Ungerechtigkeiten nicht zuzusehen, sondern aktiv dagegen zu handeln, mit Worten und mit Taten. Außerdem haben wir uns intensiv darüber ausgetauscht, wie essenziell dieses Bewusstsein ist und wie wir gerade auch in unserer Generation dagegen ankämpfen können, dass eine solche Form von Unterdrückung nie wieder Gestalt annehmen kann.

Wir finden, dass jeder Mensch die Möglichkeit erhalten und sich die Zeit nehmen sollte, diese Erinnerungsorte zu besuchen. Nur so ist es möglich, ein wirkliches Bewusstsein für diese Orte zu erlangen.

Text: Sarah Alam El Din und Christina Götschhofer

Unterstützt wurde die Studienfahrt durch den Zukunftsfonds der Republik Österreich.