Kundgebung: Keine halben Kinder!

Protestkundgebung - 15. Juni 2015 - Minoritenplatz/Wien
Das Bündnis "Alle Kinder haben Rechte" hat zur Protestkundgebung "Keine halben Kinder" aufgerufen. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) sind nicht nur FLÜCHTLINGSkinder sondern KINDERflüchtlinge!

Kinderrechte für minderjährige Flüchtlinge umsetzen!

Bei ihrer gestrigen Kundgebung vor dem BMI machte das Bündnis „Alle Kinder haben Rechte“ auf die aktuellen Missstände im Umgang mit minderjährigen Flüchtlingen aufmerksam.

Mehr als 50 Organisationen haben sich im Bündnis „Alle Kinder haben Rechte“ zusammengeschlossen, um auf die aktuelle Lage von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aufmerksam zu machen. Bei der gestrigen Protestkundgebung „Keine halben Kinder“ vor dem Innenministerium wurde aufgezeigt, woran es derzeit im Umgang mit UMF hakt. Dort wurde mit mehreren hundert halben Pappfiguren darauf aufmerksam gemacht, dass minderjährige Flüchtlinge derzeit nur als Menschen mit halben Rechten behandelt werden.Der Umgang mit Asylsuchenden und UMF ist in Österreich derzeit unzufriedenstellend und inakzeptabel, kritisierten die rund 500 TeilnehmerInnen der Kundgebung.

„Flüchtlinge und insbesondere KINDERflüchtlinge werden leider als Menschen mit weniger Rechten behandelt. Das muss sich ändern! Es ist keine Gnade von Österreich, Flüchtlinge aufzunehmen, es ist unsere Pflicht! In der UNO Kinderrechtskonvention ist festgeschrieben, dass Kindern, die um Asyl ansuchen, angemessener Schutz und humanitäre Hilfe zusteht, und zwar unabhängig davon, ob sie sich in Begleitung ihrer Eltern befinden oder nicht. Österreich muss sich an dieses internationale Recht halten“, fordert David Neuber, Vorsitzender der Bundesjugendvertretung.

Auch Katharina Glawischnig von der Asylkoordination erklärt: „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden in Österreich als halbe Kinder behandelt. Sie haben weniger Rechte und sind weniger wert, was man auch an den Tagsätzen sieht. „Gerade Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern aus ihrer Heimat fliehen mussten, sind auf besondere Betreuung und Schutz angewiesen. Dass derzeit mehr als 1000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Österreich in ungeeigneten Massenquartieren untergebracht sind, widerspricht der UN Kinderrechtskonvention und damit internationalem Recht. „In den ungeeigneten Massenquartieren kann nicht auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden. Sie brauchen Zeit, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und die Möglichkeit, Kind sein zu können“, so Glawischnig.

Bei der Kundgebung schilderten zwei junge Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien ihre Fluchterlebnisse und ihre Ankunft in Österreich. Dazu zählen verlorene Akten, langes Warten in Quartieren und nach wie vor nicht zu wissen, ob man in Österreich bleiben darf oder jederzeit wieder zurück in das Land der Flucht muss.

„Hinter jedem Flüchtling steht eine Geschichte. Viele sind traumatisiert und in Massenquartieren zum Warten und Nichtstun verdammt ohne entsprechende Betreuung“, kritisiert Monika Pinterits, Kinder- und Jugendanwältin in Wien. „Kinderflüchtlinge sind in Österreich anderen Kindern nicht gleichgestellt. Es ist höchste Zeit, die völkerrechtlichen Verträge, wie die UN Kinderrechtskonvention einzuhalten“, betont Pinterits.

Die Forderungen

Das Bündnis „Alle Kinder haben Rechte“ fordert die Bundesregierung, die Landeshauptleute und insbesondere die Innenministerin auf, die Rechte von Kinderflüchtlingen einzuhalten.

Das heißt:
• Zügige Abwicklung von Asylverfahren
• Einhaltung der UN Kinderrechtskonvention (bspw. Schutz und Hilfe, Bildung, faire Verfahren, Erholung)
Sofortmaßnahmen zur Behebung der Missstände in den Massenquartieren • Verantwortung für UMF von Seiten der Kinder- und Jugendhilfe • Erhöhung der Tagsätze für UMF auf das Niveau der Kinder- und Jugendhilfe
• Altersgutachten nur bei ausreichendem Verdacht der Volljährigkeit

Das Bündnis

Das Bündnis Alle Kinder haben Rechte wird bis jetzt bereits von mehr als 50 Organisationen unterstützt und laufend erweitert:

Arbeiter Samariterbund, Asylkoordination Österreich, Bundesjugendvertretung, Bundesverband der österreichischen Kinderschutzzentren, Caritas Österreich, Diakonie Flüchtlingsdienst, Dachverband Österreichischer Jugendwohlfahrtseinrichtungen, Don Bosco Flüchtlingswerk, FICE Österreich, Integrationshaus, Jugend eine Welt, Junge Generation in der SPÖ, Kinderfreunde, KiJA Salzburg, KiJA Tirol, KJA Wien, Kindernothilfe Österreich, Netzwerk Kinderrechte, Österreichische Gewerkschaftsjugend, Österreichisches Jugendrotkreuz, Rote Falken, SOS Kinderdorf, Verein Fluchtweg, Verein Menschen.Leben, Volkshilfe Österreich, youngCaritas, Aktion Kritsicher Schüler_Innen, beteiligung.st, Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs, ECPAT, Evangelische Jugend Österreich, Flucht nach Vorn, Flüchtlinge Willkommen, Institut für Kinderrechte und Elternbildung, Katholische Jungschar, KiJA Kärnten, KiJA Niederösterreich, KiJA Oberösterreich, KiJA Vorarlberg, Lobby4Kids, Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte, Muslimische Jugend Österreich, Österreichische Blasmusikjugend, Österreichischer Kinderschutzbund, Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreich, Pro Juventute, Verband Sozialistischer Student_innen, Sozialistische Jugend Österreich, Therapeutische Gemeinschaften, UNICEF Österreich, Verein Neuer Start, WienXtra, ZEBRA

Fotolink

Fotos von der gestrigen Kundgebung sind unter https://flic.kr/s/aHskaHNYUj abrufbar.